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In Deutschland werden jedes Jahr rund 200 Milliarden Euro vererbt oder als Schenkung weitergegeben. Wer finanziell ausgesorgt hat und sich überlegt, sein Geld langfristig möglichst sinnvoll einzusetzen, kommt oft schnell auf einen Stiftungsgedanken.

Viele Menschen möchten, dass ihr Vermögen nach ihrem Tod etwas Gutes bewirkt. Das kann bedeuten, dass sie mit einer Erbschaft die Familie erfreuen, muss es aber nicht. Wenn der Draht zu Kindern und Enkeln nicht so besonders ist, die Nachkommen selbst schon „mehr als genug haben“ oder auch gar keine Angehörigen da sind, denken viele sehr gründlich über Alternativen nach. Die Besonnenen kommen dann oft auf die Idee, ihr Geld ganz oder zum Teil einer Stiftung zu vermachen oder – je nach Höhe des Vermögens – sogar selbst eine Stiftung ins Leben zu rufen. Für diese langfristig gute Tat gibt es mehrere Möglichkeiten, allerdings ist dazu Hintergrundwissen gefragt.

Deutschland ist Stiftungswunderland

In Deutschland gibt es rund 21.000 rechtsfähige Stiftungen bürgerlichen Rechts mit einem Gesamtvermögen von über 70 Milliarden Euro. Die Hälfte davon wurde in den letzten zehn Jahren gegründet. Bei einer Stiftung wird Kapital dauerhaft für einen festgelegten gemeinnützigen Zweck zur Verfügung gestellt. Das sicher und gewinnbringend angelegte Vermögen erwirtschaftet Überschüsse, die die Stiftung für ihre Projekte ausgibt. Der Stiftungsgrundstock bleibt dauerhaft erhalten und der vom Stiftungsgründer festgelegte Zweck darf nicht wesentlich verändert werden.

Fast ein Drittel der Stiftungen verfolgt soziale Zwecke, der Rest setzt sich für Wissenschaft und Forschung, Bildung und Erziehung, Kunst und Kultur, Sport, Umweltschutz oder andere gemeinnützige Zwecke ein. Ist die Gemeinnützigkeit anerkannt, wird die Stiftung steuerlich begünstigt. Viele Stiftungen arbeiten vernetzt und damit deutliche effizienter. Pro Jahr werden insgesamt rund 17 Milliarden Euro in stiftungseigene oder externe Projekte investiert.

Die Beweggründe sind vielfältig

Laut einer vom Bundesverband Deutscher Stiftungen in Auftrag gegebenen Befragung aus dem Jahr 2005 gibt es unterschiedliche Motive für eine Stiftungsgründung. Zu den häufigsten gehören der Wunsch, etwas zu bewegen, Verantwortungsbewusstsein zu zeigen, ein konkretes Problem zu bekämpfen oder auch einfach der Gesellschaft etwas zurückzugeben. In vielen Fällen geht der Entscheidung für eine Stiftung ein erlittener Schicksalsschlag oder ein plötzlicher Vermögenszuwachs voraus. Als wichtigster persönlicher Beweggrund kommt häufig die Zufriedenheit durch eine erfüllende Aufgabe oder sinnstiftendes Engagement hinzu; gesellschaftliche Anerkennung ist dagegen nur ein zweitrangiges Motiv.

Es muss keine eigene Stiftung sein

Für eine eigene Stiftungsgründung sind mindestens 50.000 Euro erforderlich, aber auch mit kleineren Beträgen lässt sich viel Gutes bewirken. So kann man zum Beispiel auch durch eine Treuhandstiftung oder durch eine Zustiftung an eine bestehende Stiftung helfen. Ebenso besteht die Möglichkeit, sich in einer Stiftungs-GmbH oder einem Stiftungsverein zusammen mit Gleichgesinnten für ein gemeinsames Ziel einzusetzen. Natürlich ist neben finanziellen Zuwendungen auch freiwilliges Engagement immer willkommen. Übrigens können nicht nur Einzelpersonen Stiftungen ins Leben rufen, sondern auch Vereine oder Unternehmen. Weitere Informationen zum Thema und eine Online-Stiftungssuche gibt es auf der Website des Bundesverbands Deutscher Stiftungen unter www.stiftungen.org. Dort finden Stiftungswillige auch Unterstützung bei der Wahl von Stiftungsart und Zweck.

Cathrin Gawlista

Bild Fotolia/Julián Rovagnati

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Schon die Alten Griechen und Römer kannten entsprechende Bräuche. Christen und Juden, Arm und Reich pflegten sie weiter: Ist ein Todesfall zu beklagen, finden sich die Trauernden zu einem gemeinsamen Mahl zusammen. Aus ganz unterschiedlichen Gründen.

Ein Trauerfall zehrt an den Kräften der nächsten Angehörigen. Psychisch, aber auch rein körperlich. Durch die vorangegangene Pflege des Sterbenden. Durch Appetitlosigkeit oder rituelles Fasten nach dem Verlust eines geliebten Menschen. Durch die veränderte Lebenssituation oder ganz konkret die Vorbereitung des Begräbnisses.

So war es lange vielerorts Brauch, dass nach Ablauf einer gebotenen Schonfrist Nachbarn und Bekannte ins Trauerhaus kamen, um der Familie Stärkung zu bringen. Speisen und Getränke, die ältere Wörterbücher als Trostmahl oder Trosttrunk verzeichnen.

Gemeinschaftliches Kräftesammeln

Etwas anders stehen die Vorzeichen beim sogenannten „Leichenschmaus“, dem gemeinsamen Mahl im Anschluss an Trauerfeier und Beisetzung. Die Hinterbliebenen laden hierzu in der Regel die Familie sowie enge Freunde des Verblichenen ein. Die dringendsten organisatorischen und auch repräsentativen Pflichten sind vollbracht, die Anspannung fällt ab. In gelockerter Atmosphäre erinnert man sich an zurückliegende Momente und geht zugleich erste Schritte zurück in den Alltag.

Das Wort „Leichenschmaus“ gilt dabei heute vielen als ebenso abschreckend wie die Redensart der „schönen Leich“. Heute sprechen wir hochdeutsch vom „Trauerkaffee“ oder „Trauermahl“. Wie bei vielen Bräuchen, die in unterschiedlichen Gegenden sehr unterschiedlich gelebt werden, haben sich nebenher allerdings auch zahlreiche regionale Bezeichnungen gehalten: So verzeichnet der Wikipedia-Artikel unter anderem „Flannerts“, „Leidessen“, „Leichenmahl“, „Raue“, „Trauerbrot“ und „Tröster“; „Reuessen“, „Leichenims“ und „Kremess“.

Zurück ins Leben

Auch wenn das Essen inzwischen meist in Restaurants oder Cafés eingenommen wird, verbietet sich eine Teilnahme ohne explizite Einladung, die in der Regel mit der Einladung zur Trauerfeier erfolgt. Die geschlossene Gesellschaft bietet der Familie einen Schutzraum, auch finanziell.

War es in früheren Zeiten nicht unüblich, den Gästen bessere Speisen zu servieren, als man sich allgemein selbst leistete, werden heute je nach Tages- und Jahreszeit meist einfache Suppen oder Blechkuchen gereicht. Im Mittelpunkt steht nicht das opulente Mahl, sondern das Miteinander. Vergessen wir nicht, dass der Leichenschmaus heute, da viele von uns zu Arbeitsnomaden geworden sind, zu den wenigen Gelegenheiten gehört, noch einmal die ganze Familie zusammenzubringen.

Sabine Fett

Bild Fotolia/K.-P.Adler


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